Wie wurde die Kernseife früher hergestellt?
Früher war die Seifenherstellung auf den Höfen ein fester Bestandteil des bäuerlichen Jahreskreislaufs, meist eng verknüpft mit den Schlachttagen im Herbst oder Winter. Es war ein Prozess der vollständigen Verwertung, bei dem absolut nichts verschwendet wurde.
1. Die Rohstoffgewinnung: Auslassen der Fette
Nach dem Schlachten wurden die nicht essbaren Fettanteile, vor allem der Rindertalg (Eingeweidefett) und das Schweineschmalz, gesammelt.
- Ausschmelzen: Das Rohfett wurde in großen Kesseln über offenem Feuer langsam erhitzt, bis es schmolz. Die festen Rückstände, die sogenannten Grieben wurden abgesiebt.
- Reinigung: Um eine saubere Seife ohne Fleischgeruch zu erhalten, wurde das flüssige Fett oft mehrfach mit Wasser aufgekocht und wieder abgekühlt, bis ein rein weißer Fettblock entstand.
2. Die Laugengewinnung: Aus Holzasche wird ein kräftiges Reaktionsmittel
Bevor man konzentriertes Ätznatron kaufen konnte, stellten Bauern ihre Lauge selbst her:
- Buchenasche: Hartholzasche (vor allem von Buche) wurde in Fässer mit Regenwasser geschichtet.
- Auslaugen: Das Wasser sickerte durch die Asche und löste das darin enthaltene Kaliumcarbonat (Pottasche). Die so gewonnene Flüssigkeit war die Aschenlauge.
- Test der Stärke: Die Konzentration wurde oft mit einem frischen Ei oder einer Kartoffel geprüft: Schwamm der Gegenstand oben, war die Lauge stark genug für die Verseifung.
3. Das Seifensieden
Das eigentliche Sieden war Schwerstarbeit und dauerte oft einen ganzen Tag:
- Kochen: Fett und Lauge wurden im Kupferkessel unter ständigem Rühren erhitzt. Dabei entstand der zähe Seifenleim.
- Aussalzen: Damit aus der weichen Schmierseife harte Kernseife wurde, warf man handvollweise grobes Salz in den kochenden Kessel. Dies zwang die reine Seife dazu, sich vom Wasser und vom Glycerin zu trennen und als fester „Kern“ oben aufzuschwimmen.
4. Formen und Reifen
Die noch warme, oben schwimmende Seifenmasse wurde mit großen Kellen abgeschöpft und in hölzerne, mit feuchten Tüchern ausgelegte Rahmen gegossen.
- Schneiden: Nach ein bis zwei Tagen war die Masse fest genug, um mit einem gespannten Draht in handliche Stücke geschnitten zu werden.
- Lagerung: Die fertigen Stücke mussten mehrere Monate reifen und nachtrocknen. Je länger sie lagerten, desto härter und ergiebiger wurden sie.
Diese selbstgemachte Kernseife war im Alltag unentbehrlich: Sie diente zum Wäschewaschen am Waschbrett, zur Reinigung der Scheuerböden und natürlich auch zur Körperpflege.
Während die Kernseifen früher nur aus tierischen Fetten hergestellt wurden, gibt es heute viele Kernseifen, bei denen ausschließlich rein pflanzliche Öle verwendet werden. Unsere Karlsruher Kernseife ohne Duft- und Farbstoffe, besteht vorwiegend aus Olivenöl und ist hervorragend zur Körperpflege, auch bei empfindlicher Haut geeignet.