Die Geschichte der Seife

Die gute alte Seife, die seit den 80er Jahren immer mehr von Syndets und Duschgels verdrängt wurde, findet ein Comeback. Zu Recht, denn sie liegt was Nachhaltigkeit angeht, in Zeiten der verheerenden Plastikflut voll im Trend.

Vor allem die kaltgerührten Naturseifen, die aus hochwertigen Ölen und Essenzen von Hand hergestellt werden, sind vorzügliche Pflegeseifen für den ganzen Körper.

Seife im Altertum

Die Seife hat schon eine lange Geschichte.
Erste gefundene Aufzeichnungen einer seifenähnlichen Rezeptur stammen aus dem Jahr 2500 vor Christus und wurden in Tello, Mesopotamien (heute Irak) von den Sumerern in Keilschrift auf einer Tonschiefertafel verewigt. Für die Herstellung waren laut dieser Rezeptur 1 Liter Öl mit der 5 ½ fachen Menge Pottasche zu vermischen. Als Pottasche bezeichnete man die Asche einer Pflanze, die reich an kohlensaurem Kalium war. Die Pottasche wurde vermutlich durch das Verbrennen von Dattelpalmen oder Nadelbaum-Zapfen und dem nachfolgenden Auslaugen der Asche gewonnen. Allerdings diente das Produkt im Altertum zunächst nur als medizinisches Heilmittel bei Hautkrankheiten oder als Haarpomade.

Im alten Ägypten gewann man alkalireiche Stoffe aus sodahaltigen Seen. Die Ägypter wuschen die Wäsche, in dem sie diese mit den sodahaltigen Substanzen tränkten und mit Keulen schlugen, wie alte ägyptische Wandbilder zeigen.

Sogar die Seife war dort schon bekannt. In ägyptischen Dokumenten wird berichtet, dass um 600 vor Christus tierische Fette oder pflanzliche Öle mit Soda vermischt und gekocht wurden. Aber auch in Ägypten wurden diese Seifenpasten vor allem als Haarpomade und als Medizin zur Behandlung von Hautkrankheiten benutzt. Da viele Hautkrankheiten damals vermutlich durch den Mangel an Körperpflege entstanden, wirkten diese Seifenpasten durch ihre reinigende Wirkung wie eine Art Medizin. Die eigentliche Waschkraft der Seifen wurde aber erst später erkannt.

Die Urinwäscher bei den Römern

Die Römer reinigten jahrhundertlang ihre Wäsche mit Aschenlauge und salbten ihren Körper mit ÖI. Für die Körperhygiene benutzten sie die Strigilis, ein Instrument mit dem nach sportlichen Übungen oder dem Besuch des Schwitzbades Öl, Schweiß und Staub vom Körper geschabt wurden. Auf die Idee, ÖI und Asche zu vermischen und zu verkochen, kamen sie aber nicht.
Die Römer kannten aber eine andere Quelle, um zu dem begehrten Alkali zu kommen. Sie verwendeten nicht nur das Alkali aus der Holzasche (Kaliumcarbonat), sondern auch verfaulten zersetzten Urin, der alkalischen Ammoniak entwickelte, um ihre Kleidungsstücke darin zu reinigen. Man gab die Bekleidung häufig den Wäschern (Fullonen), die eigentlich Urinspezialisten waren. Das Verfahren machte die Wäscher reich. Als Kaiser Vespasian (Titus Flavius Vespasian 39 - 83 n.Chr.) von den Wäschern hohe Steuern eintreiben wollte, gab es Proteste - wie immer in solchen Fällen.
Erstaunlicherweise kamen diese Proteste auch aus dem kaiserlichen Hofrat. Daraufhin formulierte der Kaiser erstmals den Spruch:  

"Pecunia non olet." – „Geld stinkt nicht.“  

Die oft zitierte Anekdote von Kaiser Vespasian, aus der das Sprichwort "Geld stinkt nicht" abgeleitet wurde, rührt von folgendem Umstand her: "Als Titus, sein Sohn, ihn rügte, weil er eine Steuer für Urin erhob, da hielt Kaiser Vespasian seinem Sohn eine Münze vor die Nase, die aus den ersten Gewinnen dieser Steuer stammte, und fragte ihn, ob er den Geruch dieser Münze als anrüchig empfinde. Als Titus mit ›Nein‹ antwortete, sprach der Kaiser: ›Und doch stammt sie vom Urin‹. Non olet - es stinkt nicht."

Erst nach dem Beginn unserer Zeitrechnung finden sich wieder weitere Hinweise zur Seife. Der römische Gelehrte Plinius der Ältere (gestorben 79 nach Christus) beschrieb in seinem Werk Historia naturalis die Benutzung eines seifenähnlichen Produkts („rutilandis capillis“) aus Ziegentalg und weiß gebrannter Asche bei den Galliern und Germanen. Während die Seife der Germanen eine "Kaliseife“ von mehr pastenartiger Konsistenz war, benutzten die Gallier die Asche von natriumhaltigem Seetang und erzielten dadurch eine festere "Natronseife“.

Seife im Mittelalter

Die Araber brachten die Kunst des Seifensiedens im 7. Jahrhundert nach Andalusien. Im 8. Jahrhundert war die Seifenherstellung in Spanien und Italien bekannt und wurde als Produkt von “guten Arbeitern“ neben anderen Notwendigkeiten erwähnt, beispielsweise als Produkt von Tischlern, Schmieden und Bäckern.

Oft wird geglaubt, dass das Baden im Mittelalter gänzlich aus der Mode gekommen war, doch das Gegenteil ist der Fall. Die Zeit des Mittelalters war eine Zeit öffentlicher Badefreuden und so florierten Badehäuser, in denen ein erholsames, vergnügliches und reinigendes Bad möglich war.

Erst nach den Pestepidemien des 14. Und 15, Jahrhunderts und dem Aufkommen von Syphilis wurde das Waschen mit Wasser in den Badestuben eingestellt. Obwohl man den genauen Übertragungsweg der Seuche nicht kannte, wurden die öffentlichen Badestuben als Orte großer Ansteckungsgefahr von den Ärzten ausgemacht und bald gänzlich geschlossen. 
Besonders in adligen Kreisen wusch man sich nur noch selten und setzte stattdessen auf die Trockenreinigung mit Parfüms und Puder. Als Folge vermehrten sich Flöhe und Läuse praktisch ungehindert. Erst im 17. Jahrhundert wurde diese irrige Meinung von den Ärzten wieder aufgegeben.

Das Aufkommen industrieller Verfahren im 19. Jahrhundert   

Der schwedische Privatgelehrte und Apotheker Carl Wilhelm Scheele (1742–1786) gewann im Jahre 1783 erstmals Glyzerin durch das Erhitzen von Olivenöl mit Bleioxid. Den süß schmeckenden Stoff nannte er zunächst „Ölsüß“. Der französische Chemiker Michel-Eugène Chevreul (1786–1889) untersuchte die chemischen Eigenschaften der Fette und Öle. Er legte im Jahr 1823 die Grundlage für die Aufklärung der chemischen Reaktion bei der Verseifung. Die Fette verbinden sich nicht direkt mit den Alkalien, sondern sie zerfallen zunächst in Fettsäuren und Glyzerin, so seine Entdeckung.

Im 18. und 19. Jahrhundert reichten die verfügbaren Mengen an Holzasche zur Seifenherstellung nicht mehr aus, was zu einem Raubbau an den Wäldern führte.

Durch die synthetische Herstellung von Soda – nach dem Verfahren von Nicolas Leblanc im Jahre 1790 – konnte die Seife im 19. Jahrhundert günstiger und umweltfreundlicher produziert werden. Die großtechnische, noch heute angewandte Produktion von Soda gelang Ernest Solvay (1838–1922) im Jahre 1861.   

Damit war der Weg frei zur industriellen Massenproduktion von Seife, vorerst alleiniges Wasch- und Reinigungsmittel.

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